Die Kleiderkammer macht Osterferien

Liebe Freunde der Kleiderkammer,

das Wichtigste vorweg: Während der Schulferien bleibt die Kleiderkammer geschlossen.

Die nächste Öffnung ist am Mittwoch, den 26. April, von 17-20 Uhr.

Es ist ruhiger geworden in der Kleiderkammer. Nach den im wahrsten Wortsinne wilden Zeiten des Herbstes 2015 hat sich eine Menge verändert. Es kommen nur noch wenige „neue“ Flüchtlinge nach Brühl. Diese, meist untergebracht im Containerdorf Brühl-Ost, finden schnell den Weg in die Kleiderkammer und statten sich dort aus. Die allermeisten unserer Kunden sind jedoch Menschen, die nun schon geraume Zeit in Brühl leben, und die wir im Laufe der Zeit schon oft in unserer Kammer begrüßen durften. Zu Beginn unserer Arbeit war es für uns oft unmöglich, mit unseren Kunden zu kommunizieren, so dass wir auf Geflüchtete als Übersetzer angewiesen waren, die ehrenamtlich mithalfen, und mit denen wir durch die gemeinsame Arbeit eng zusammengewachsen sind. Es haben sich viele Freundschaften gebildet, die auch außerhalb der Kammer tragen. Mittlerweile spüren wir sehr, dass sich die frühzeitige Unterstützung auch noch nicht anerkannter Flüchtlinge durch Sprachunterricht seitens der Stadt sehr ausgezahlt hat. Sprache ist kein nennenswertes Problem mehr, im Gegenteil können wir mittlerweile komplexe Unterhaltungen mit vielen unseren neuen Nachbarn führen. Bei einem Gang durch die Stadt finden sich nun viele vertraute Gesichter. Neue Nachbarn eben… ,-)

Wir müssen nicht mehr kurzfristig große Mengen an Hosen oder Schuhen innerhalb von drei Tagen an die Erstaufnahmeeinrichtung im ehemaligen Gartencenter im Zopes organisieren. Die Einrichtung ist bereits geraume Zeit geschlossen. Aber zu wissen, wie schlagkräftig wir in unserem Team in kürzester Zeit große Bedarfe decken konnten, läßt uns stolz zurück und zuversichtlich in die Zukunft blicken….

Immer häufiger finden nun auch andere Bedürftige den Weg zu uns, um sich zu günstigsten Preisen zu versorgen. Sie sind und waren uns von Anfang an herzlich willkommen!

Auch die Arbeit im Netzwerk hat sich gewandelt. Die Drehscheibe am Flughafen Köln-Bonn existiert nicht mehr und die Ehrenamtler, die dort einen gewaltigen Job gemacht haben, arbeiten mittlerweile in einem gemeinnützigen Verein weiter für die Flüchtlinge in Köln, die derzeit noch in großer Zahl in Turnhallen untergebracht sind. Ein Zustand, den Brühl glücklicherweise schon länger hinter sich gelassen hat. Die Kontakte und die Kooperation sind geblieben.

Unsere Freunde der Kleiderkammer in Erftstadt haben sich nach Schließung der Kleiderkammer in Erp neuen Aufgaben in der Flüchtlingshilfe zugewandt, die wir bei Bedarf weiterhin gerne unterstützen. Mit anderen Kammern stehen wir weiterhin im Austausch und unterstützen uns gegenseitig.

Immer mehr Flüchtlinge sind in eigenen Wohnungen untergebracht und benötigen Unterstützung bei Beschaffung und Transport von Möbeln. Oft werden wir nun zu Themen wie Job, Studium, Ausbildung, Schule, Vereine etc. gefragt. Auch hier helfen wir, wo wir können. Wir können netzwerken. Und das tun wir!

In der Kleiderkammer haben sich an beiden Öffnungstagen mittlerweile feste eingespielte Teams aus alten und neuen Brühlern gebildet, die jede Woche aufs neue mit viel Engagement und Freude Spenden annehmen, sortieren, Kunden beraten, Ratschläge geben, ihre Netzwerke abklopfen, wer wie wo helfen kann. Es wird viel gelacht in der Kammer, aber es gibt auch ernste Gespräche, wenn sich Imis mit Problemen an uns wenden und Unterstützung benötigen. Wir freuen uns aber auch über jeden, der gerne mithelfen möchte! Wir sind keine Sprinter, sondern befinden uns auf einem Marathon! 😉 Dieser gelingt am besten in einem großen Team mit vielen Schultern, auf die sich die Last verteilt. Einfach melden oder vorbeikommen. Alles kann, nichts muss!

Für uns alle , die wir Flüchtlinge willkommen heißen, ist dies eine, wenn auch bisweilen anstrengende, in der Summe aber äußerst befriedigende Aufgabe. Denn wir spüren, dass die Menschen dieses Engagement wertschätzen.

Und wir möchten allen, die uns bei dieser Arbeit durch Zeit-, Sach- und Geldspenden seit anderthalb Jahren unterstützen, Danke sagen! Ohne diese Unterstützung wäre das Projekt Kleiderkammer nicht möglich gewesen.

Einen ganz besonders guten Kontakt besteht zur Kleiderkammer in Hürth, die sich  im letzten Jahr im Gewandhaus Hürth neu erfunden hat. Hier beklagen wir den viel zu frühen Tod von Franz Lanzerath, dem Kopf der Hürther Kammer und Leiter des Gewandhauses, den wir am Dienstag zu Grabe tragen werden. Franz hat uns in seiner unnachahmlichen ruhigen und gelassenen Art sehr unterstützt. Ein Menschenfreund mit viel Engagement und Empathie für jene, die es im Leben nicht so gut angetroffen haben, ein Mann mit einem goldenen Herzen, der ohne zu zögern nachts zur Stelle war, als unsere Erftstädter Freunde sofort 300 Decken benötigten.

Lieber Franz, wir werden Dich vermissen und in unseren Herzen behalten!

Allen Freunden und Unterstützern der Kleiderkammer wünschen wir

FROHE OSTERN!

Mit herzlichen Grüßen
Das Team der Kleiderkammer

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